Warum eine Notfallratte?

Unsere teils kritischen Gedanken zu diesem Thema...

Ratten bekommt man vom Züchter, aus dem Zooladen, aus diversen Kleinanzeigen und auch aus Tierheimen und Notfalllisten (zB. www.rattenforum.de oder www.vdrd.de).

Bei Züchtern wird leider oft vorrangig nach Farben gezüchtet, auch Farben, die in Zusammenhang mit Behinderungen von Ratten stehen. So können z.B. rotäugige Ratten (z.B. Albinos, alle beigen Ratten, Siamesen usw.) sehr viel weniger sehen, wie ihre schwarzäugigen (eigentlich dunkelbraunäugigen) Artgenossen. Dieses Manko versuchen sehbehinderte Ratten oftmals durch Kopfpendeln (Leseratte) auszugleichen. Auch sind rotäugige Ratten aufgrund des schlechteren Sehens oft schreckhafter.
Verschiedene Gene sorgen dafür, dass Würfe oder Teile von Würfen kurz nach der Geburt sterben, wenn sie doppelt auftreten, wieder andere stehen im Verdacht, mit Blutgerinnungsstörungen (z.B. bei blauen Ratten, die anscheinend häufig davon betroffen sind) einherzugehen.
Ausgesprochene Qualzuchten wie Dumbo-, Nackt- oder auch Taillessratten (siehe Farben und Zeichungen) gibt es zum Glück bisher noch kaum hier in Deutschland, Rexratten mit lockigem oder gewelltem Fell und ebenfalls gelockten Wimpern und Vibrissen (Augenentzündungen, schlechter Tastsinn) leider immer häufiger...
Solche absichtlichen (Qual-)Züchtungen sollten unserer Meinung nach nicht durch einen Kauf gefördert werden.

Mit Käufen von Ratten aus dem Zoohandel fördert man die im allgemeinen nicht artgerechte oder sogar schlechte Haltung. Ratten werden dort meist in zu kleinen Behältern unter grellem Licht gehalten (damit auch alle die Ratten sehen können --> verkaufsfördernd), haben keine oder zu wenig Versteckmöglichkeiten, sind und bleiben oftmals scheu, weil sich in der entscheidenden Prägephase niemand um sie kümmert. Frischfutter und sogar Wasser sind oftmals gar nicht vorhanden.
Auch hören wir immer wieder von Ratten, die bereits krank und mit Parasiten befallen, gekauft wurden. Das man trächtige Weibchen erwischt, ist keine Seltenheit, weil viele Verkäufer zu dämlich sind, die Tiere nach Geschlechtern zu trennen oder es ihnen schlichtweg egal ist.
Aber selbst wenn die Haltung augenscheinlich gar nicht sooo schlecht ist (man sollte oft lieber nicht in die Hinterzimmer schauen...) , so fördert man mit dem Kauf dennoch das Vermehren (ohne Kenntnisse) und auch den Handel selbst mit Tieren.

In den meisten Zooläden werden die Ratten wie gesagt nicht nach Geschlechtern getrennt gehalten, was widerum dafür sorgt, dass die meist selber noch viel zu jungen Weibchen auch schon trächtig sind. Auch kommt es sehr häufig vor, dass das "Fach"personal von den Geschlechtern scheinbar keine Ahung hat und verschiedengeschlechtliche Ratten als gleichgeschlechtliche verkauft - was natürlich zu weiteren Problemen (schwer zu vermittelnder Nachwuchs) führt. Einige Zooläden halten dies ganz gewollt so und nehmen die Babys zurück - solange sie klein genug (oder möglichst noch nackt, weil viele Reptilien keine Ratten/ Mäuse mit Fell fressen) sind. Nur weiss man dann natürlich nicht, wo "seine" Babys letztendlich mal landen werden...und wer will das schon?
Auch ist die Beratung in den allermeisten Zooläden mehr als schlecht, das Personal nimmt die Ratten schmerzhaft am Schwanz aus dem Käfig (weil sie sich selber ekeln), oft wird gesagt, dass man Ratten auch einzeln halten kann (meist haben sie zu der Zeit nur eine Ratte oder haben im Laufe des Verkausgespräches mitbekommen, dass 2 Ratten nicht gekauft würden).
Immer wieder wird zu viel zu kleinen Käfigen geraten. Klar, an größeren verdienen sie besser, kleinere lassen sich aber eher verkaufen (oft gehörter Spruch: "Der passt auch noch in Ihre kleinste Zimmerecke")

Es mag auch bessere Haltungen in Zoogeschäften geben, kennengelernt haben wir bis heute nicht eine Einzige...

Meistens kommen diese Ratten sogar von irgendwelchen "Hinterhofzüchtern", die Lebendfutter für Reptilien produzieren und von Genetik und deren evt. Defekten absolut keine Ahnung haben, ja, die es eigentlich sogar sehr wenig bis gar nicht interessiert.

Gut, man mag nun meinen, wenn man 1 oder 2 dieser armen Geschöpfe freikauft, hilft man wenigstens diesen...
...in Wirklichkeit tut man damit aber nur eines, man ist verkaufsfördernd, unterstützt ggf. eine schlechte Haltung und sorgt dafür, dass weitere arme Ratten in diesen Geschäften in viel zu kleinen Käfigen/Makrolonwannen landen (nachbestellt/nachproduziert werden) und ebenfalls einem ungewissen Schicksal entgegenblicken.

Darüber und ob man selber ggf. für das Schicksal weiterer armer Ratten verantwortlich sein möchte, sollte jeder erstmal ganz in Ruhe für sich selbst nachdenken und dann seine Entscheidung treffen.

Wer sich dann gegen die Zoolaentiere entschieden hat, sollte auch zukünftig Geschäfte, in denen lebende Tiere verkauft werden, boykottieren, also auch kein Futter und/oder Zubehör dort kaufen. Wenn schon nicht unterstützen, dann aber auch richtig :) und am Zubehör/Futter verdienen diese Geschäfte mehr als an den Tieren selber.

Ratten aus Kleinanzeigen stammen manchmal von sogenannten "Hobbyzüchtern", also Leuten, die meistens keine Züchterlizens und somit auch keine Ahnung von Genetik haben und mal so nebenbei ein paar Leben produzieren...
...meistens aber aus genau solchen Zooladenunfällen, es wurden trächtige Ratten erworben oder Männchen und Weibchen zusammen verkauft ("Ja, das sind ganz sicher 2 Männchen"). Oder es wurden ganz ahnungslos beide Geschlechter zusammen gehalten, weil nicht bekannt war, dass Ratten bereits mit etwa 5 Wochen geschlechtsreif sind bzw. sich Rattenhalter vorher nicht genügend informiert haben.

Auch die Rattenbabys aus den Notfalllisten stammen meistens aus solchen Unfällen, manchmal wurden Ratten auch ausgesetzt oder viele werden wegen "Allergie" vermittelt. Es gibt sie in allen Altersklassen, in verschiedenen Farben (wobei die Farbe zweitrangig und der Charakter erstrangig sein sollte) und in ganze Deutschland und den Nachbarländern zu Hunderten :(

Wenn man sich nun für eine (oder auch mehrere) Notfallratten über einen Vermittler (siehe Rattenforum) entscheidet, bekommt man im Allgemeinen viele Informationen über die Eigenschaften der einzelnen Tiere, weil die Vermittler die Ratten ja kennen. Sie sind meist bereits an den Menschen gewöhnt und werden nicht trächtig und auch nur gesund abgegeben bzw. es wird darauf hingewiesen, was sie evt haben, sie haben keine Parasiten und man bekommt genau das eine Geschlecht, das man auch möchte.
Natürlich gibt es auch hier scheue oder "bissige" Ratten aus schlechten Verhältnissen. Das wird dann aber vorher auch bekanntgegeben und diese Ratten werden auch nur in entsprechend erfahrene Hände vermittelt.

Notfallratten werden gegen einen Schutzvertrag und eine Schutzgebühr vermittelt, die sich meist um 5 Euro bewegt. Oftmals sehen sich die Vermittler den Ort, wo die Ratten später hinkommen, vorher an und stehen auch danach mit Rat und Tat zur Seite, wenn Hilfe benötigt wird - was man ja bei Ratten aus Zoohandlungen nicht hat.

Dann sind da auch noch die Ratten in den Tierheimen, die so oft übersehen werden, weil viele immer noch denken, dass diese Tiere alle verhaltensgestört sind. Klar, das kann vorkommen, wir wissen ja meistens gar nicht, was sie alles schon durchmachen mussten, durch wieviele Hände sie bereits gegangen sind um dann schlußendlich im Tierheim zu landen, wo das Personal meist viel zu wenig Zeit hat, sich um die einzelnen Tiere zu kümmern. Oftmals sind diese Tiere aber zahm und zutraulich.
Häufig helfen dann Rattenfreunde in den umliegenden Tierheimen und kümmern sich um die Ratten, zeigen ihnen, wie sie wieder Vertrauen zu den Menschen gewinnen können und helfen auch bei der Vermittlung tatkräftig mit.
Öfter sitzen in den Tierheimen aber Ratten, die ein großes Schmusepotential haben, nur etwas scheu sind und einem ihr neues Zuhause oft mit mehr Anhänglichkeit danken, wie so manch anderes Tier.

Notfallratz

Ein paar der bereits vermittelten Ratten aus dem Lüneburger Tierheim:

Notfall   Notfall   Notfall

Übersicht    nach oben
© www.rattenwelt.de