Wie bekomme ich die Medikamente in/an/auf die Ratte?

Es gibt mehrere verschiedene Darreichungsformen von Medikamenten. Tabletten, Pulver, Säfte oder Sirup, Salben, Badelösungen...usw.
Ganz wichtig ist, das man die Dosierung, Art und Dauer der Anwendung, die der Tierarzt (TA) aufgestellt hat, genau befolgt. Die meisten AB`s (Antibiotika) müssen sogar zeitgenau gegeben werden, um einen gleichbleibenden Wirkspiegel (Halbwertzeit) beizubehalten. Andernfalls können sich schnell Resistenzen gegen den beinhalteten Wirkstoff bilden, das AB hilft dann also nicht mehr (meistens auch später bei einer erneuten Gabe nicht mehr).
Nun müssen die Medikamente aber auch in die Ratte hinein und zwar genau in der richtigen Dosis. Leider schmecken viele nicht besonders, sind gar recht bitter und nur schwer zu verabreichen.

Tabletten zermörsert man für eine genaue Dosierung am besten zu einem feinen Pulver, da Ratten meistens keine ganze Tablette bekommen, sondern 1/4 oder noch weniger. Hierfür eignet sich natürlich am ehesten ein Tablettenmörser (Apotheke). Viele Tabletten kann man aber auch zwischen 2 Teelöffeln zerdrücken.
Um nun genau gleiche Portionen zu erhalten, nimmt man zB eine Glasschreibe und zieht das Pulver darauf (mit einer Scheckkarte z.B. oder noch besser mit einer Rasierklinge) eine gerade Linie. Diese unterteilt man dann in gleich große "Stücke". So kann man auch Kleinstportionen erhalten.

Um dieses Pulver in die Ratte zu bekommen, mischt man das Pulver portionsweise und immer frisch zubereitet in etwas Vitamin- oder Malzpaste (von Gimborn für Katzen), oder Babybrei aus dem Gläschen (hier lieber die "deftigeren" Sorten wie Huhn mit Reis usw. verwenden), Joghurt oder etwas ähnlich breiiges. Bitte vorher ohne Medikament ausprobieren, ob die Ratte den jeweiligen Brei auch mag!
Antibiotika sollte man nicht in Milchprodukten verabreichen, da das Kalzium die Wirkung aufhebt oder verzögert.
Wenn die Ratte sich sehr schwer tut mit der Einnahme, kann man das Medikament auch in etwas Nutella, Marmelade o.ä. anbieten. In diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel, das Medikament muss rein.
Wenn es gar nicht geht, bleibt einem nur das zwangsweise Einflößen des Medikaments. Zuerst sollten aber alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, da diese Methode schwierig durchzuführen ist und natürlich auch Stress für die Ratte bedeutet, der möglichst vermieden werden sollte. Bei Ratten mit Atemwegsproblemen kann diese Verabreichung sogar gefährlich werden wenn sie sich verschlucken!
Man besorgt sich zuerst eine kleine 1ml Spritze (ohne Nadel) mit einer 0,01ml Einteilung beim Tierarzt und vermischt das Medikament (sofern es nicht eh bereits flüssig ist) mit 0,01-0,02ml Wasser und spritzt dieses direkt ins Mäulchen. Achtung, die meisten Ratten sammeln die Flüssigkeit in einer Hautfalte und spucken diese wieder aus. Die Spritze also im Mundwinkel (bei den Backenzähnen) ansetzen.

Spritze


Einige Ratten nehmen ihre Medizin aber auch sehr gerne aus der Spritze, wie man gleich sieht ;) Hier ist es Kisdi, die grad Echinaceasaft (Echinacea Stada Junior) schlabbert. Gerade Säfte oder Sirupartige Medikamente sind meist süß und werden gern direkt aus der nadellosen Spritze oder vom Teelöffel genommen.

Kisdi schlabbert aus der Spritze


Salben lassen sich zwar meist ziemlich leicht auftragen, sind aber genauso schnell wieder abgeleckt, ob von der Ratte selbst oder von ihren Artgenossen. Am besten, man fragt vorher, wie lange das Mittel braucht, um einzuwirken und behält die Ratte diese Zeit über bei sich am Körper, streichelt sie und lenkt sie von der Salbe ab.
Im Allgemeinen ist eine Salbe (immer sparsam auftragen, hier macht ein mehr nicht mehr!) nach 10 Minuten eingezogen, was dann noch zu sehen ist, wieder abwischen.

Auf Medikamente, die in einer Badelösung (z.B. einige Ungeziefermittel) verabreicht werden sollen, sollte man nach Möglichkeit verzichten und nach einer anderen Lösung suchen. Wir haben bisher noch keine Ratte kennengelernt, die wirklich gerne (zwangsweise) badet, es wird auch eher der Ausnahmefall sein. Diese Badeprozeduren sind für die Ratten und auch uns selbst (viele, viele Kratzer!!!) ziemlich stressig und Stress ist bekanntlich nicht besonders heilungsfördernd, kann im Gegenteil die Ratten sogar krank machen.
Bei kühleren Außentemperaturen und Zugluft ist eine Erkältung oft vorprogrammiert, schnell kann eine Lungenentzündung auftreten.
Gerade bei Ungezieferbefall ist es nicht notwendig, die Ratten zu baden. Parasiten, die auf der Haut leben, kann man z.B. mit Frontline behandeln (am besten in die eigenen Hände sprühen und dann vorsichtig auf den Ratten verreiben), Milben (die unter der Haut leben) behandelt man am besten mit einem spot on (z.B. Stronghold), wobei man ihnen je nach Gewicht 1 oder 2 Tropfen hinter den Ohren verreibt.

Sollte es dennoch mal keine andere Möglichkeit als zu baden geben, ist die Ratte hinterher gründlich (!) trocken zu frottieren und muss zugfrei und in einem warmen Raum gehalten werden. Ein Fön sollte möglichst nicht eingesetzt werden, allein schon das Geräusch kann die Ratte sehr erschrecken und oftmals ist die Luft auch viel zu heiß, ohne dass man selber es bemerkt. Man kann sich die Ratte aber auch bis zum endgültigen Trocknen unter den Pullover nehmen.

Wir drücken euch allen die Daumen, dass eure Ratten gesund bleiben!

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